Sonntag, Oktober 11, 2026

TerribleFire oder, wenn’s unten herum so richtig brennt!


Einleitung⇒ Prozessorwechsel auf der TerribleFire 1260 von 68LC060 auf 68060 (Rev. 5)
TerribleFire1260.jpeg

TerribleFire 1260 Turbokarte mit 68060 (Rev. 5) Prozessor und passiven Kühlrippen.

Jaja, “Clickbait” 😅

Also, wenn es bei EUCH untern herum richtig brennt, dann solltet Ihr zum Arzt gehen! Wenn aber im AMIGA 1200 eine TerribleFire 1260 werkelt, dann hat der “unten herum” wirklich richtig Feuer und dann fängt die Sache so langsam an richtig Spaß zu machen!

Es ist wie in jedem Hobby, wenn eines zum anderen kommt. Nachdem ich meinen AMIGA 500 in einer gefühlt schon richtig guten Ausbaustufe hatte und der AMIGA 600 zum Recap unterwegs war, sah ich bei Kleinanzeigen einen AMIGA 1200 in einer Ausstattung und Preis, den ich unbedingt haben wollte. Ich hatte noch nie einen Amiga 1200 und wollte schon immer mal einen mit AGA-Chipsatz haben. Also habe ich mir das nur kurz durch den Kopf gehen lassen, bevor ich dann mitten in der Nacht zugeschlagen habe!

Im Detail bedeutet das:

Amiga 1200 (Rev. 2b) Recappt
Kickstart 3.2 mit Amiga OS 3.2
Indivision AGA MK3 (Scandoubler VGA/HDMI)
TerribleFire 1260 (68LC060 gesockelt) mit 128 MB Ram
8GB SD-Karte mit HDD-Adapter
Passende Netzteile
PCMCIA Netzwerkkarte
PCMCIA CF-Adapter
Joystick

Nach einem kurzen hin und her mit dem Anbieter, ob er das auch versenden würde, habe ich ihm das Geld mitten in der Nacht um halb 2 🙈 überwiesen und vier Tage später lag dann alles bei mir im Wohnzimmer. Und wie das so ist, wenn man einmal eine Turbokarte hat, die einen Sockel für eine 68060 Prozessor hat, dann will man den auch haben.

Kurzer Exkurs für die, die vielleicht nicht so tief drinstecken: Der 68LC060 ist ein vollwertiger 68060 Prozessor mit MMU (Memory Management Unit), aber OHNE FPU (Floating Point Unit), also ohne mathematischen Co-Prozessor. Und auch wenn nur ein kleiner Bruchteil der Software auf dem AMIGA die FPU überhaupt benutzt, möchte man sein Maschinchen ja schon so auf der “besten” Ausbaustufe haben. Ein “richtiger” 68060 Prozessor mit MMU und FPU ist aber aktuell nicht mehr wirklich günstig zu bekommen, also woher nehmen, wenn nicht stehlen? Ok, also weiter im Text!

Jetzt muss man wissen, dass es vom 68060 Prozessor diverse Revisionen gibt, die nicht nur unterschiedliche “Fehler” sondern auch Fertigungsqualität haben und in gewissen “Größen” gefertigt wurden. Je kleiner die Fertigungstechnik eines Prozessors ist, umso geringer ist die Stromaufnahme (in der Regel) und der Prozessor wird nicht so heiß. Die aktuell beste Revision, die man auf einer Turbokarte (als echte Hardware) bekommen kann, ist ein 68060 (Rev. 6). Der wurde in der damals kleinsten Fertigungstechnik gebaut, wird mit 50 MHz ausgeliefert und kann je nach kühlung gut bis 100 MHz übertaktet werden. Der 68060 (Rev. 5) hat noch den ein oder anderen “Bug” und wird im Betrieb in der Regel etwas wärmer. ABER: Einen 68060 (Rev. 5) bekommt man aktuell für ca. 130 Euro. Für einen 68060 (Rev. 6) legt man aktuell locker zwischen 280 und 400 Euro auf den Tisch.

Ich persönlich war nicht bereit so viel Geld nur für einen “alten” Prozessor auszugeben und so musste der Rev. 5 reichen, denn übertakten möchte ich ihn nicht und mit den passiven Kühlkörper reicht mir das voll und ganz aus. Also habe ich mir im A1K.org-Forum einen Rev. 5 bestellt und der musste jetzt auf die Turbokarte. Dafür musste die alte CPU (68LC060 mit MMU) aber erst einmal heruntergehebelt werden. Wie machen ohne “CPU-Puller”? Ein passendes Werkzeug gibt es in den Niederlanden für 14 Euro plus 12 Euro Versand. 26 Euro für ein Werkzeug, welches ich nur einmal verwenden werde, war mir dann doch irgendwie zu doof.

Radfahrer - wie ich bin - habe mir die Reifenheber von Schwalbe genommen und vorsichtig millimeterweise links, rechts, links, rechts gehebelt, bis die CPU aus dem Sockel kam. Die Schwalbe-Reifenheber sind aus hartem Plastik, also Belastung gewohnt, brechen nicht, verkratzen aber auch nichts. Also die neue CPU dann da war, diese richtig eingesetzt, reingedrückt und anschließend kleinen Kühlkörper aufgeklebt.

Der Große Kühlkörper passt leider - so wie er jetzt ist - unter die Tastatur. Diesen muss ich erst noch ein wenig abschleifen. Aber im Großen und ganzen funktioniert das System jetzt schon sehr gut. Damit da nachher kein häßliches Loch im Boden ist, aber dennoch genug Luft ins Gehäuse kommt, noch von Sordan.ie (ebay) die neue Bodenklappe bestellt und eingesetzt.

SysInfo erkennt die CPU korrekt und läuft auch ohne Kühlung (dafür ist das Ding ja ursprünglich ausgelegt) stabil. Das Intro von Elite II - Frontiert oder Microprose F1 Grand Prix gehen jetzt richtig ab! Was auf einem normalen Amiga mit 7 oder 14 MHz eine Ruckelshow, spielt sich jetzt (gefühlt) mit 50 Bildern pro Sekunde butterweich!

Für mich persönlich geht es darum, echte Hardware zu erhalten. Eine Übertaktung im Originalgehäuse käme für mich nicht in Frage, weil dann auch noch aktive Kühlung dazu kommen müsste. Ein PiStorm ist natürlich noch einmal um ein Vielfaches schneller, aber dann “emuliert” ein RasPi einen 68000-Prozessor, und das möchte ich persönlich nicht. Das Bild auf dem LCD-Monitor ist Dank Indivision AGA MK3 gestochen scharf und zu diesem feinen Stück Technik schreibe ich später mal einen separaten Beitrag.

Den 68LC060 hebe ich erst einmal auf, wer weiß, wofür man den noch einmal brauchen kann? Ich persönlich bin jetzt erst einmal sehr zufrieden mit dem Setup. Also, wenn’s unten herum so richtig brennt, dann machen auch die ganzen 3D-Spiele auf dem Amiga 1200 so richtig Spaß! Zuletzt habe ich das Spiel Breathless angetestet und das läuft in dieser Hardware richtig, richtig fein. In diesem Zustand macht das auch heute noch Spaß, so ein Spiel mal anzugehen und durchzuspielen!

Egal ob 8-Bit oder 16-Bit, ob C64, CPC oder AMIGA, habt Spaß mit eurem Retro-Computer! 👾

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